Geschichte von Eisenerz

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Die Stadt und ihre Geschichte

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isenerz hat eine reiche Vergangenheit.Die bewegte Geschichte des Ortes zieht sich durch die Jahrhunderte und nimmt in der Bronzezeit ihren Anfang.Lange Zeit hatte die Forschung in der Entdeckung des Erzberges den Beginn für die gesamte regionale Entwicklung angenommen und diese nach einer legendären Inschrift im Jahre 712 festgelegt.

Eine 1991 gemachte sensationelle Entdeckung in der Eisenerzer Ramsau sollte dieses Bild jedoch grundlegend verändern und Licht in die bis dato unergründeten frühesten Zeiten des Erzbergtales bringen. Eine mehrjährig durchgeführte archäologische Grabung brachte die konkrete Bestätigung dafür, dass man schon 1200 v. Chr. in der Ramsau in acht Öfen Kupfer schmolz. Demnach fängt die Geschichte von Eisenerz mit Kupfer an.

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In keinem Fall schmälern diese neueren Forschungsergebnisse die vorrangige Bedeutung der Erzlagerstätte des Steirischen Erzberges. Dieser bleibt unbestritten d i e existenzielle Grundlage von Eisenerz sowie weiter Teile des ganzen Landes. Und dies über einen weitläufigen Zeitraum hinweg.

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Im späten ersten Jahrtausend nahmen die ersten slawischen Siedler im Umfeld des Erzberges mit Keilhaue, Schlägel und Eisen ihre Arbeit auf und gewannen anfänglich nur von der Erdoberfläche die weichen Brauneisensteine.

Die ersten Hinweise auf eine frühmittelalterliche heimische Eisenerzeugung fand man um 1929 auf der sogenannten Feistawiese. Hoch oben auf dem Berg gelegen nutzten die Eisenbauern damals die natürliche Luftzufuhr für den Schmelzvorgang in ihren einfachen Rennöfen.

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ine einschneidende technische Errungenschaft, nämlich die Nutzung der Wasserkraft und der Einsatz des Wasserrades für den Antrieb der Blasbälge brachten noch vor der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts grundlegende Veränderungen. Die Eisenschmelzanlagen verlegte man weit hinunter in das Tal an die Bachläufe, wodurch allmählich eine erste kleine deutschsprachige Siedlung am Fuße des Vogelbichl mit der katholischen Pfarrkirche St. Oswald entstand. Denn so war in jener Zeit schon eine große Anzahl von Zuwanderern aus dem bajuwarischen Raum in Innerberg sesshaft geworden.

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Ab dem frühen 16. Jahrhundert standen in Innerberg/Eisenerz bereits 19 Radwerke, d.h. kleinere und größere, von sogenannten Radmeistern geführte Eisenunternehmen, welche einer großen Anzahl von Arbeitern Beschäftigung boten. Eine strenge Arbeitsteilung brachte in dieser Zeit die verschiedensten Berufe hervor, wobei sich diese nach den Tätigkeiten am und im Berg, bei den Öfen oder bei der Herstellung des Brennstoffes, der Holzkohle ausrichteten. Der Berufsstand der Berg- und Hüttenleute mit seinem charakteristischen Brauchtum nahm hier seinen Ausgangspunkt.

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Eine strenge hierarchische Regelung und landesfürstlich patentierte Ordnung bestimmte in dieser Zeit wie von Anfang an die Arbeit und das Leben der Menschen.

Eine durch die Glaubenskämpfe der Gegenreformation ausgelöste wirtschaftspolitische Krise, die das Land im auslaufenden 16. Jahrhundert spaltete und international in kriegerische Auseinandersetzungen mündete, wirkte sich auch sehr nachhaltig auf das heimische Eisenwesen aus.

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625 bedeutete dies das Ende des ersten freieren Unternehmertums im Umfeld des Erzberges und das Ende der „Radmeisterherrlichkeit“. Mit der Gründung der Innerberger Hauptgewerkschaft nahm der Staat noch stärkeren Einfluss auf die Belange der Eisenwirtschaft und ernannte mit dem Kammergrafen einen eigenen landesfürstlichen Oberaufseher über das gesamte Eisenwesen. Der Amtssitz dieses Beamten wurde im Eisenerzer Kammerhof errichtet.

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Die Ausstrahlung des Marktes Innerberg als Produktionsort für Rauheisen blieb dank weiterer technischer Errungenschaften und Verbesserungen in der Eisenhüttentechnologie dennoch enorm und bescherte 1649 dem Ort den Ruf eines „weyt berümpten Marktes und Bergwerks im Herzogthum Steyer“.

Der Absatzmarkt für Waren aus Innerberger Rauheisen erstreckte sich seit dem späten 16. Jahrhundert über weite Teile des heutigen Europas, bis hin nach Russland und Amerika.

Eine weitreichende Veränderung für das Ortsbild brachte ab 1761 die Umstellung von Stuckofen auf Floßofenbetrieb. Diese erstreckte sich bis in das beginnende 19. Jahrhundert.

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ie 6 Floßhochöfen mit ihren gigantischen Kohlauffahrten, die seit dieser Zeit zum Teil mitten im Markt als auch im Krumpental standen und die alten Radwerke ablösten, setzten mit ihrer fortschrittlichen Technologie den Auftakt zu einer neuen Ära der heimischen Eisenwirtschaft. Zudem bedeutete die Errichtung eines bahnbrechenden modernen Erzfördersystems, für das sich der Kammergraf Fortunat Sybold verantwortlich zeichnete, einen großen Schritt in Richtung moderner Eisenindustrie. Im Eisenerzer Krumpental entstand hierbei ab 1850 eines ihrer ersten Zentren. Einer der maßgeblichen Fürsprecher und Förderer dieses neuen fortschrittlichen Zeitgeistes und Verfechter neuer technischer Methoden war Erzherzog Johann. Dieser war ab 1822 selbst als Radmeister in Vordernberg aktiv, erkannte die Zeichen der Zeit und beeinflusste die Entwicklung des heimischen Eisenwesens auf unterschiedlichste Art sehr positiv.

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Als Dank für den großen Segen des Erzberges für das ganze Land stiftete er 1823 ein Kreuz, welches man, mit einem Stifterbild versehen, im Rahmen eines großangelegten Festaktes auf der Spitze des Berges einweihte.

Ein weiterer effektiver Ausdruck des beginnenden Industriezeitalters ist ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die verkehrsmäßige Erschließung der Erzbergregion sowie das neue unternehmerische Denken, das 1881 zur Gründung der Österreichischen-Alpine Montangesellschaft führte. Letztere wird und bleibt über einen weiten Zeitraum für einen großen Teil der heimischen Bevölkerung d e r Arbeitgeber und bestimmt gemeinsam mit dem Magistrat das soziale Leben sehr nachhaltig.

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Der wirtschaftliche Aufschwung auf dem Steirischen Erzberg mit all seinen Betriebsanlagen schlug sich um die Jahrhundertwende wiederum auf das Ortbild nieder. Die angewachsene Einwohneranzahl verlangte zunehmend Wohnraum für die vielen Arbeiter und ihre Familien sowie humanitäre Versorgungs- und Bildungsstätten wie das erste Eisenerzer Werksspital oder die Hauswirtschaftsschule. Die Wohnsiedlungen wurden zum Teil direkt auf dem Berg, in Trofeng oder im Münichtal errichtet und wurden nach und nach der Zeit entsprechend mit Strom versorgt.

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Am 17. August 1908, am Vorabend zum Geburtstag von Kaiser Franz Joseph I. erstrahlte nach der Fertigstellung eines Kraftwerkes der Markt Eisenerz das erste Mal im Glanz von elektrischem Licht.

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er Geburtstag des Monarchen war in jener Zeit in Eisenerz durchaus ein besonderes Datum, hielt sich doch Franz Joseph mehrmals im Jahr in der Gebirgsregion des Erzbergtales auf. Das wildreiche Hochgebirge hatte es ihm, wie schon vielen seiner Vorfahren angetan. Er lud immer wieder zahlreiche Vertreter der europäischen Hocharistokratie in sein Jagdschloss in die Radmer oder in den Eisenerzer Kammerhof ein. Seine Anwesenheit bot für den Ort, vor allem für die heimische Gastronomie einen Anreiz sich mit „Wiener Küche“ und anderen Werbemaßnahmen um weitere Gäste von auswärts zu bemühen.

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Dies bedeutete gleichsam die Geburtsstunde für ein zweites wirtschaftliches Standbein des Marktes Eisenerz als beliebter Ort zur „Sommerfrische“ und zum „Wintersport“.

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Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach diese zunächst sehr positive Entwicklung. Sie bedeutete für die Eisenerzer Bevölkerung eine von Hunger und Not gezeichnete Zeit.

Auch die Zwischenkriegsjahre waren für die meisten Familien sehr entbehrungsreich. Die radikale Umformung der bisherigen Gesellschaftsform forderte nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie in vielerlei Hinsicht die Lösung schwerwiegender Probleme und forderte sowohl die Bergdirektion und den Eisenerzer Magistrat sehr heraus.

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Der Tiefstand des Erzabbaues hatte schwerwiegende Rationalisierungsmaßnahmen, wie Massenentlassungen oder Senkung der Lohnkosten erfordert, die unter der Arbeiterschaft immer wieder zu heftigen Unruhen und Streiks führten. Die Lage sollte sich auch nicht so schnell verbessern. Viele der arbeitslos gewordenen Bergarbeiter verließen in jenen Tagen sogar die Heimat und wanderten aus mit der Hoffnung auf ein besseres Leben.

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as Bild des Berges und des Ortes wurde in den Zwanziger Jahren durch den Bau zweier bedeutender technischer Transporteinrichtungen erweitert. Die eine war der Hugo Stinnes Aufzug, welcher die Schichtarbeiter und all die Bewohner der Häuser und Siedlungen auf den Erzberg brachte. Die andere war die Feldbahn, welche als Materialtransporteinrichtung vom Bahnhof zur Talstation des Personalaufzuges führte.

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Noch vor dem fatalen Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte sich allmählich aus einem bescheidenen Eisenmarkt ein Industrieort gebildet. Seine arbeitsbedingten Bauten und Anlagen erstreckten sich deutlich sichtbar vom Münichtal bis ins Krumpental.

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ährend der NS-Zeit ergänzte man diese noch durch zwei weitangelegte Wohnsiedlungen für all jene kinderreichen Familien, die sich in jener Zeit in Eisenerz niedergelassen hatten. Der Rüstungsindustrie, besser gesagt den Vertretern der Herman-Göring Werke auf dem Steirischen Erzberg, kam, die Zuwanderung sehr entgegen. Und die Beschaffung von Wohnraum für die massenhafte Anzahl von Arbeitern war notwendig und Teil ihrer Propaganda geworden.

In jedem Fall haben die Geschehnisse dieser Kriegszeit Eisenerz im Nachhinein wesentlich verändert. Der Höchststand der Einwohnerzahl im Jahr 1944 von über 18.000 Einwohnern pendelte sich drei Jahre nach Kriegsende auf rund 14.000 ein. Die Bedeutung des Ortes als wesentliches Zentrum der Eisenwirtschaft blieb Eisenerz auch danach erhalten und führte dazu, dass man dem Ort am 1. August 1948 das Stadtrecht verlieh.

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ls Stadt erlebte Eisenerz im Anschluss daran Jahrzehnte des Aufbruchs, des wirtschaftlichen Aufschwungs und eine blühende stabile Zeit bis in die Achtziger Jahre. Seither erlebt der Ort einen einschneidenden Umbruch und zählt wie viele andere zu den europäischen „shrinking cities“. Der grundlegende Wandel steht Eisenerz heute ins Stadtbild geschrieben und treibt in der Eisenerzer Altstadt mitunter schon einige hoffnungsvolle neue Blüten.

Ein Besuch in unserem neuen Museum „Im Alten Rathaus“ am Bergmannplatz führt sie anschaulich durch viele Kapitel der Eisenerzer Geschichte.

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